Hallux valgus

(Großzehenballen)

Fehlstellung der Großzehe in Richtung Kleinzehen. Dadurch entsteht eine Vorwölbung an der Fußinnenseite, der Fuß wird breiter. Ist die Fehlstellung erst mal vorhanden nimmt diese durch den fehlgeleiteten Zug der Sehnen im Verlauf stetig zu.

Halux valgus leicht, mittel und schwer ausgeprägt

Durch die Fehlstellung der Großzehe ändert sich die Lastverteilung des Körpergewichts auf der Fußsohle. Der 2. und 3. Zehenstrahl wird stärker belastet und es entstehen Schwielen. Durch Abdrängung der Nachbarzehen verformen sich diese zu Krallenzehen. Die Entstehung einer Arthrose (Hallux rigidus) wird begünstigt.

Neben kosmetischen Problemen klagen Patienten mit Hallux valgus über Schwierigkeiten passende Schuhe zu finden. Die Fußinnenseite scheuert sich an den Schuhen wund und die Fußsohle schmerzt beim Auftreten (Metatarsalgie). Durch Verlagerung der Belastung schmerzt manchmal der ganze Fuß.

Als Ursachen gelten eine erbliche Veranlagung, schwaches Bindegewebe, Spreizfuß, das Tragen von zu schmalen Schuhen sowie Schuhen mit hohem Absatz, u.a.

Die Diagnose wird durch klinische Untersuchung gestellt. Röntgenaufnahmen sind wichtig um das Ausmaß der Fehlstellung, begleitende Anomalien und eine evtl. schon vorhandene Arthrose zu erkennen. (Rö-Bild)

Die Behandlung orientiert sich am Ausmaß der Fehlstellung und den Beschwerden. Schmerzen an der Fußsohle lassen sich mit orthopädischen Einlagen und weiten Schuhen oft bessern. Kurzzeitig können auch Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente gegeben werden. Ein Fortschreiten der Fehlstellung lässt sich damit aber nicht verhindern.

Die Ursache der Beschwerden - die Fehlstellung der Großzehe - lässt sich nur durch eine Operation beseitigen. Es gibt heute bewährte Operationstechniken, welche je nach Schwere und Art der Fehlstellung angewandt werden. Da mit der Zeit die Fehlstellung der Großzehe stetig zunimmt, wird heute eine frühzeitige operative Korrektur empfohlen. Je früher die Fußdeformität behoben wird, umso weniger kommt es zu den beschriebenen Folgeschäden und umso kleiner und  schonender gestaltet sich der Eingriff.

Bei gering bis mittelschwer ausgeprägtem Hallux valgus ist die Austin-Osteotomie (Chevron-Osteotomie) das Verfahren der Wahl. Der Eingriff kann schnell und schonend durchgeführt werden. Dabei wird das Mittelfußköpfchen so verlagert, dass es zu einer Verschmälerung des Spreizfußes kommt. Zusätzlich erfolgen Korrekturen an Kapsel, Muskel und Sehnen um eine dauerhafte Geradstellung der Großzehe zu fördern. Etwa 90% unserer Patienten können nach dieser Methode operiert werden. Die Nachbehandlung erfolgt im Spezialschuh. Damit kann sofort wieder voll belastet werden. Zur Vermeidung einer Schwellung ist in den ersten Tagen die Hochlagerung des Fußes erforderlich. Nach 2 Wochen werden die Hautfäden entfernt und es dürfen wieder normale Schuhe getragen werden.

Bei ausgeprägtem Hallux valgus ist ein alternatives Operationsverfahren notwendig um eine gute Korrektur zu erreichen. Die Korrektur erfolgt hierbei an der Basis des 1. Mittelfußknochen. Bewährt hat sich hierzu die Lapidusarthrodese (Versteifung des Cuneiforme-Metatarsale-1-Gelenk). Stets wird dies mit einem Weichteileingriff am Grundgelenk, ähnlich wie bei der Austin-Osteotomie kombiniert. Das Verfahren ist aufwendiger und erfordert das Tragen eines Spezialschuhs für 6 Wochen.

Bei zusätzlichen Fehlstellungen können die beiden Verfahren mit ergänzenden  Operationen kombiniert werden.; z.B. Akin-Osteotomie zur Korrektur eines Hallux interphalangeus (Fehlstellung der Großzehe im Endgelenk) oder Reverdin-Green-Osteotomie bei abnormer Stellung der Gelenkebene am Mittelfußköpfchen.

 

Hallux valgus vor der OP (links) und nach der OP (rechts)